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Statut des Preises

Am 6. Mai 1933, vier Tage früher als im übrigen nationalsozialistischen
Deutschen Reich, wurden auf dem Marktplatz in Bremerhaven unter öffentlichem
Beifall Bücher verbrannt. Dieses Tages soll durch die Stiftung eines Literaturpreises gedacht werden. Er erhält den Namen Jeanette Schocken Preis Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur.

Der Preis in Höhe von 10.000,– DM* wird von Bremerhavener Bürgerinnen und Bürgern gespendet. Mit der Namensgebung erinnern sie nicht nur an die Bücherverbrennung und die Vernichtung des Geisteslebens durch den Nationalsozialismus, sondern auch an das Schicksal all jener Menschen, die vor der Barberei der Nationalsozialisten flohen oder ihr zum Opfer fielen. Bremerhaven war für viele Verfolgte die letzte Station in Deutschland auf der Flucht ins Exil. Die Bremerhavener Familie Schocken bot, solange sie konnte, den Verfolgten Zuflucht. Jeanette Schocken wollte mit ihrer kranken Tochter nicht fliehen; beide wurden am 17. November 1941 gemeinsam mit anderen Bremerhavener Bürgern jüdischen Glaubens nach Minsk deportiert und dort ermordet.

Der Literaturpreis, der ihren Namen trägt, soll ein Zeichen setzen gegen Unrecht und Gewalt, gegen Hass und lntoleranz. Mit dem Bekenntnis zur verbotenen und verbrannten, zur unterdrückten und ausgegrenzten Literatur verbindet der Preis die Ermutigung an alle schreibenden Künstler, deren Literatur für dieses Bekenntnis steht, und die deshalb selbst der Förderung, Hilfe oder Anerkennung bedürfen.

Die Stadt Bremerhaven unterstützt die Ziele dieses Preises und leistet dazu materielle Hilfe. Im Rahmen der Preisverleihung wird die Stadt Bremerhaven mit ihren Mitteln für das Buch als bedeutende kulturelle Ausdrucksform und für ein breites Interesse an Literatur werben.

Für die Durchführung der Preisverleihung gelten folgende Richtlinien:

1. Der Preis wird erstmals am 6. Mai 1991 und darauf jeweils im Abstand von zwei Jahren an diesem Tage verliehen.

2. Der Preis ist verbunden mit einer Zuwendung von 10.000,– DM* an den jeweiligen Preisträger.

3. Der Preis wird aufgebracht durch Spenden von Bremerhavener Bürgerinnen und Bürgern; auf die Verleihung des Preises nehmen sie keinen Einfluss.

4. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine Jury, die aus fünf Fachleuten besteht. Die erste Jury wird von der Stadt Bremerhaven auf Vorschlag des Gründerkollegiums auf unbestimmte Zeit berufen. Scheidet ein Mitglied aus der Jury aus, berufen die restlichen Mitglieder der Jury ein neues Mitglied. Sollte dieses Verfahren nicht eingehalten werden können, wird die Stadt Bremerhaven auf Vorschlag des noch zu gründenden Vereins (sh. unter Ziffer 9) ein neues Jurymitglied berufen. Die Stadt Bremerhaven wird den Jurymitgliedern ihre Kosten erstatten. Zur organisatorischen Unterstützung der Jury ist ihr ein Sekretariat zugeordnet, das zunächst vom Gründerkollegium, später von dem zu gründenden Verein gestellt wird.

5. Der Preis wird nicht ausgeschrieben. Die Auswahl des Preisträgers erfolgt durch Mehrheitsbeschluss der Jury, der der Stadt Bremerhaven bis zum 31. Januar des Jahres der Preisverleihung bekannt zu geben ist. Die Beratungen und die Beschlüsse der Jury sind vertraulich. Die Entscheidung der Jury ist endgültig. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

6. Der Preis kann sowohl für ein einzelnes Werk der Literatur, gleich welcher Gattung, als auch für das Gesamtwerk eines Schriftstellers/einer Schriftstellerin, verlegerische bzw. editorische Leistungen verliehen werden. Die Verleihung geschieht nach künstlerisch-literarischen Gesichtspunkten, die die Jury verantwortet, unter Berücksichtigung der in der Präambel dargelegten Ziele des Preises.

7. Die Preisverleihung ist Bestandteil der „Woche des Buches“, in deren zeitlichen Rahmen jeweils der 6. Mai fällt. Vom Preisträger wird erwartet, dass er an dieser „Woche des Buches“ mit eigenen Beiträgen teilnimmt. Kosten werden ihm durch die Stadt Bremerhaven erstattet.

8. Die Preisverleihung findet im Rahmen einer zentralen öffentlichen Veranstaltung, die mit einer Laudatio verbunden ist, statt; die Laudatorin/den Laudator bestimmt die Jury. Die Urkunde über den Preis wird von einem Vertreter der Stadt Bremerhaven im Namen Ihrer Bürgerinnen und Bürger ausgehändigt. Die Kosten für die Preisverleihung und das Rahmenprogramm trägt die Stadt Bremerhaven, die auch die Organisation der Preisverleihung und der Woche des Buches übernimmt.

9. Die erste Preisverleihung wird gemeinsam vom unterzeichneten Gründerkollegium und der Stadt Bremerhaven vorbereitet.

Das Gründerkollegium wird einen gemeinnützigen Verein gründen, der die Funktion des Gründerkollegiums übernimmt, die Akquisition des Preises gewährleistet, Vorschläge zur Ausgestaltung der „Woche des Buches“ unterbreitet und das Sekretariat für die Jury stellt. Die Stadt Bremerhaven verpflichtet sich, Mitglied des Vereins zu werden. Das Statut des Vereins hat vorzusehen, dass die Stadt Bremerhaven berechtigt ist, stets ein Mitglied des Vorstandes zu benennen.

Bremerhaven, den 3. September 1990
Das Gründerkollegium & Der Magistrat der Stadt Bremerhaven

 

* Die Preissumme beträgt derzeit 7.500,– Euro.