Sie befinden sich hier: Startseite

Jeanette Schocken Preis 2017 geht an Aris Fioretos

Noch ein Literaturpreis? Keineswegs! Der Schocken-Preis ist einzigartig in Deutschland. Die Preissumme von 7500 Euro wird nicht wie üblich von der Kommune, von Banken oder großen Wirtschaftsunternehmen aufgebracht, sondern allein durch Spenden Bremerhavener Bürgerinnen und Bürger. 

Die unabhängige Jury des Jeanette Schocken Preises – Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur, Dr. Gabriele von Arnim, Helmut Böttiger, Nico Bleutge, Zsuzsanna Gahse und Dorothea Westphal hat  den Preis einstimmig dem schwedischen Schriftsteller Aris Fioretos, insbesondere für seinen Roman „Mary“ zugesprochen.

Die bundesweit einzigartige Auszeichnung wird von Bremerhavener Bürgerinnen und Bürgern alle zwei Jahre in mahnender Erinnerung an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten aber auch  an das Schicksal all jener Verfolgten vergeben, für die Bremerhaven oftmals die letzte Station auf der Flucht ins Exil war. Die Preisverleihung findet am 14. Mai 2017 im Historischen Museum Bremerhaven statt.

Am Abend des 14. Mai wird der Preisträger um 20:00 Uhr im Pferdestall aus seinem Roman „Mary“ lesen.

Zur Begründung hat die Jury ausgeführt:

Wenn ein Buch es nicht schaffe, unter die Haut zu gehen, hat Aris Fioretos einmal gesagt, müsse es gar nicht veröffentlicht werden.

Jetzt hat der schwedische Schriftsteller griechischer Herkunft einen Roman vorgelegt, der sehr wohl unter die Haut geht und seinen Lesern zugleich eine Kraft verleiht, die mitten im Schrecken wächst. Was nach einem Paradoxon klingt, ist die große Kunst des Aris Fioretos, der seine Heldin Maria – ihr Freund nennt sie Mary- in die Folterkeller der griechischen Militärdiktatur in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts schickt, in denen sie gequält und geschunden wird und sich doch den unzerstörbaren Kern ihres Selbst bewahrt.

Die griechische Militärjunta wird nie explizit erwähnt. Denn dieser höchst aktuelle und politische Roman erzählt weit mehr als die Geschichte eines Landes, er zeigt die bedrohliche Allgegenwärtigkeit von diktatorischer Willkür.

In allen Grauschattierungen schildert Fioretos die Außenwelt Marys, die schwanger ist, in leuchtenden Farben dagegen ihr Inneres, woraus sie ihre Kraft bezieht und wo neues Leben wächst. Eine Passionsgeschichte und ein leidenschaftlicher Appell für moralische Werte wie Empathie und Courage.

Der Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Essayist und Romanautor, der außerdem eine Zeitlang Botschaftsrat für kulturelle Fragen in Berlin war, sagt von sich, dass er sich im Unterschied der Kulturen zu Hause fühle. In seinen Romanen hat er sich auch mit Themen wie Migration und Identität befasst. Er selbst ist als Wanderer zwischen Sprachen und Kulturen ein Weltbürger im besten Sinn – einer, der auch literarisch das Risiko nicht scheut und mit „Mary“ erzählerischen Mut bewiesen hat.

Die bisherigen Preisträger sind:
Irene Dische
(1991), Hanna Krall (1993), Louis Begley (1995), Imre Kertész (1997), Tuvia Rübner (1999), Barbara Honigmann (2001), George Tabori (2003), Bei Dao (2005), Lizzie Doron (2007), Ursula Krechel (2009), Richard Sennett (2011) Péter Esterházy (2013). und Gerhard Roth (2015)

 

Presseanfragen:
Dorothee Starke, Leiterin des Kulturamtes Bremerhaven
fon:0471 590 2849
mail: dorothee.starke [at] magístrat.bremerhaven [dot] de

 

Bremerhaven, 25.01.2017

Aris Fioretos | Foto: Heike Bogenberger
Aris Fioretos